Ein Raum für Heilung in einer komplexen Welt!
Immer wieder erreicht mich die Frage, warum ich einen großen Teil meiner Arbeit in reinen Frauenkreisen anbiete. Ist das nicht ausschließend? Besonders in einer Zeit, in der unser Verständnis von Geschlecht und Identität sich erweitert und zunehmend fluider wird?
Diese Frage ist berechtigt und mit diesem Beitrag möchte ich meine Beweggründe darlegen.
Die Intention: Einen geschützten Raum der Heilung schaffen
Mein Ruf, Frauenkreise zu leiten, entstand vor fast einem Jahrzehnt. Die Intention war nicht eine Trennung zu betonen sondern es ging mir darum, bewusst einen geschützten Raum der Heilung zu schaffen. In meiner freien Praxis habe ich immer wieder erfahren, wie sehr Frauen sich nach solchen Räumen sehnen und wie groß das Bedürfnis nach geschützten Begegnungen tatsächlich ist.
In unserer Gesellschaft, die über Jahrhunderte patriarchal geprägt wurde, tragen viele Frauen – bewusst oder unbewusst – die Last eines kollektiven Traumas.
Diese Sozialisation hat tiefe Spuren in unserem Nervensystem, unseren Verhaltensmustern und unserem Selbstwert hinterlassen.
Mit meinen Frauenkreisen biete ich einen Rahmen, in dem diese spezifischen Wunden anerkannt und adressiert werden können – tatsächlich auch ohne sie explizit nennen zu müssen!
Es ist ein Ort, an dem sich Frauen ohne die alltäglichen gesellschaftlichen Dynamiken begegnen können. Hier kann eine besondere Form von Sicherheit und Offenheit entstehen, die es erlaubt, Masken fallen zu lassen und tiefgreifende Heilungsprozesse zu durchlaufen. Auch das meist nicht vordergründig, sondern auf einer sehr stillen und feinen Ebene.
Verständnis von Gender und Inklusivität
Der soziale Genderbegriff bezieht sich auf die sozial konstruierten Rollen, Verhaltensweisen und Attribute, die eine Gesellschaft für Frauen, Männer und andere Geschlechtsidentitäten als angemessen erachtet. Gender wird heute als Spektrum verstanden, das über binäre Kategorien hinausgeht und eng mit der persönlichen Identität verknüpft ist.
Meine Arbeit richtet sich an Menschen, die sich als Frau identifizieren und sich in einem weiblich gelesenen Körper durch diese patriarchal geprägte Welt bewegen oder bewegt haben.
Es geht um die gemeinsame Erfahrungswelt, die aus dieser spezifischen Sozialisation erwächst.
Die Intention ist also nicht, trans*, intergeschlechtliche oder nicht-binäre Personen auszuschließen. Es geht darum, einen fokussierten Raum für eine bestimmte, historisch gewachsene Erfahrungsebene zu schaffen. Genauso wichtig und notwendig sind andere Räume für Identitätsgruppen, die ihre eigenen, spezifischen Heilungsprozesse benötigen. Doch ich habe leider nicht die Kapazitäten alle Räume zu versorgen- das müssen andere Menschen tun 😉
Historische Wurzeln und kollektives Trauma
Ein Blick in die Vergangenheit hilft, die Notwendigkeit solcher Räume zu verstehen.
Aktuelle, interdisziplinäre Forschungen deuten zunehmend darauf hin, dass viele frühe menschliche Gesellschaften, auch in unserer mitteleuropäischen Landschaft, matrizentrisch oder matrilinear organisiert waren. In diesen egalitären Matriclans spielten die weibliche Linie und die Gemeinschaft der Frauen eine zentrale Rolle. Diese Gemeinschaften waren oft von Kooperation, Naturverbundenheit und einer fundamental anderen Zuschreibung von geschlechtsspezifischen Qualitäten geprägt. Ein interessantes Beispiel aus dieser Forschung ist die Annahme, dass Männer als DAS „empathische“ Geschlecht galten. Aufgrund dieser Eigenschaft wurden sie zu Verhandlungen mit anderen Clans entsandt, um sicherzustellen, dass die Ergebnisse dem Wohl aller Beteiligten dienten und ein friedliches Nebeneinander gesichert ist.
Mit dem Aufstieg patriarchaler Strukturen änderte sich dies fundamental. Ein Prozess, der sich über Jahrtausende hinzog. Was der Auslöser war- hier kann keine monokausale Erklärung angeboten werden, auch wenn wir Menschen uns oft nach dem EINEN Grund sehnen. Man geht davon aus, dass es ein vielschichtiger Prozess war, der seinen Keim in verschiedensten Klimaveränderungen trug – die Erläuterung dazu würde den Rahmen dieses Artikels sprengen und folgt an anderer Stelle ;-))
Die Unterdrückung des Weiblichen, die Verteufelung weiblicher Spiritualität und die systematische Enteignung weiblicher Macht haben ein vielschichtiges Trauma hinterlassen, das über Generationen weitergegeben wurde.
Dieses „weibliche Trauma“ zeigt sich heute auf vielfältige Weise, hier nur ein paar Beispiele:
- Mangelndes Selbstwertgefühl: Das Gefühl, nicht gut genug zu sein oder sich anpassen zu müssen.
- Konkurrenz unter Frauen: Ein anerzogenes Misstrauen, das uns daran hindert, echtes Sisterhood zu leben und einander zu unterstützen.
- Entfremdung vom eigenen Körper: Ein gestörtes Verhältnis zur eigenen Zyklizität, Sexualität und Intuition.
- Das „People-Pleasing“-Syndrom: Die Tendenz, die eigenen Bedürfnisse hinter die der anderen zu stellen.
Die Kunst des traumasensiblen Raumes
Meine Naturauszeiten in Frauenkreisen sind wie ein achtsam gestalteter Raum, der zur Wiederverbindung einlädt – ein „Wieder-innig-Werden“ mit der inneren und äußeren Natur.
Die Themen und Prozesse, die im Kreis entstehen, entspringen den individuellen Lebensrealitäten der Teilnehmerinnen und dem Kreis selbst. Ich gebe keine Themen vor, sondern orientiere mich mit einer klaren Intention am zyklischen Rad, dem europäischen Medizinrad.
Um Missverständnissen vorzubeugen: In meinen Kreisen gibt es keine geheimen Kultsachen, keine Aufforderung, barbusig oder nackt im Wald herumzulaufen, und auch keine exzessiven Feste. Wir arbeiten sehr geerdet, kreativ-schöpferisch, intuitiv und zugleich spirituell an unserer Verbundenheit.
Es kann vorkommen, dass Nacktheit in der Natur für einzelne Frauen ein Thema wird – als Ausdruck von Ursprünglichkeit und persönlichem Prozess. Solche Momente entstehen jedoch individuell und werden im Kreis lediglich durch das Erzählen der Erfahrung bezeugt- wenn es erzählt werden will!
Meine Aufgabe ist es, den Raum so zu gestalten, dass er Sicherheit und Geborgenheit bietet – eine Art schützendes Gefäß. Die klare Intention und meine Erfahrung bilden dabei die Grundlage.
Mir geht es niemals darum, Frauen in eine bestimmte Form von Weiblichkeit zu drängen. Ein forderndes „Lebe deine Weiblichkeit, und zwar jetzt und intensiv“ kann oft mehr schaden als nützen und sogar retraumatisierend wirken.
Die Struktur meiner Kreise ermöglicht es den Teilnehmerinnen vielmehr, ihren eigenen Themen nachzuspüren und sich dem ganzheitlichen Prozess der Wiederverbindung anzuvertrauen

Ein Beitrag zu einer gesünderen Welt
Die Schaffung von Frauenkreisen ist die Anerkennung, dass spezifische historische und soziale Erfahrungen auch spezifische Heilungsräume erfordern. Indem wir uns als Frauen erlauben, in solchen geschützten Räumen zusammenzukommen, heilen wir nicht nur uns selbst. Wir verändern auch die Art und Weise, wie wir in der Welt agieren.
Eine Frau, die ihre Wunden heilt, die in ihrer Kraft ruht und sich mit anderen Frauen solidarisch verbunden fühlt, kann anders in ihre Familie, ihre Partnerschaft und die Gesellschaft hineinwirken. Sie kann authentischere Beziehungen führen, gesunde Grenzen setzen und ihre kreative Schöpferinnenkraft leben.
Die Raum der Frauenkreise ist somit ein heilsamer Beitrag für die Frauen die kommen und nährt aber auch auf eine heilsame Weise „das Feld“, nährt eine gesündere, ausgeglichenere Welt für alle Geschlechter. Es ist ein Schritt auf dem Weg, alte Wunden zu schließen, damit wir uns zukünftig auf Augenhöhe begegnen können – in all der Vielfalt und mit tiefem Respekt für die unterschiedlichen Wege, die wir gehen.
Schreib mir sehr gerne in die
Kommentare, was du dazu denkst!
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